Holen Sie es sich jetzt!
Auch unter den erfahrenen Spielern ist die „Extra“ – Regel eher unbekannt. Aber gerade in der Chouette hat sie sich als durchaus sinnvoll erwiesen. Und so geht’s:
1. Das Extra im Money Game
Wenn Spieler A (Alice) doppelt und Spieler B (Bob) den Würfel annimmt, hat Alice die Möglichkeit Bob ein Extra zu geben, d.h. Bob einen zweiten (extra) Dopplerwürfel zu geben. Dieser zweite Würfel hat den gleichen Wert wie der erste. Im Gegenzug muss Alice Bob den Ausgangswert des Würfels in Punkten überweisen.
Beispiel: Der Würfel liegt in der Mitte auf 1. Alice doppelt auf 2. Bob nimmt den Würfel an. Alice gibt Bob einen zweiten Würfel auf 2 und überweist ihm einen Punkt.
Der Einfachheit halber kann Alice auch Bob auffordern den ursprünglichen Würfel zu Beavern und ihm dafür einen Punkt überweisen. Das Ergebnis ist das gleiche.
Was hat dieses Extra nun für einen Sinn, außer die Einsätze in die Höhe zu treiben? Denn wenn das der einzige Zweck wäre, könnte man ja gleich um den doppelten Einsatz spielen!? Nun, für Alice lohnt sich der Spaß nur, wenn Bob den Würfel eigentlich hätte ablehnen sollen. Wenn Bobs Take korrekt war, kommt eventuell ein ungleich höherer Würfel zurück und Alice wird sich schwarz ärgern ein Extra gegeben zu haben. Damit erhält die Dopplerentscheidung zusätzliches Gewicht.
Beispiel: Angenommen Alice hat (a.) 70% Gewinnwahrscheinlichkeit (Gammons, Backgammons und Redoppel sollen uns nicht interessieren). Dann gewinnt sie normalerweise in hundert Spielen (Doppel/Annahme) 70·2 Punkte und verliert 30·2 Punkte, hat also eine Equity von (140-60):100 = 0,8. Doppelt Alice (b.) bei einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 90% und Bob nimmt an, hat sie eine Equity von (90·2 – 10·2):100 = 1,6.
Nehmen wir nun an, Alice gibt ein Extra. Dabei müssen wir die Punkte, die Alice auf das Konto von Bob überweist mitverrechnen (also -100 in hundert Spielen). In (a.) ergibt sich für Alice eine Equity von [(70·4 - 30·4)-100]:100 = -0,6 (weniger als ohne Extra!). In (b.) sind es [(90·4 - 10·4) - 100]:100= 2,2 (mehr als ohne Extra!).
Ein Extra wird also immer dann gegeben, wenn der Gegner eine Verdopplung annimmt, die man selbst für ein Pass hält.
2. Extra in der Chouette
In der Chouette ist die Extra Regel noch viel praktischer, insbesondere, wenn man um relativ geringe Einsätze spielt. Wenn die Box das Team doppelt und einige Spieler des Teams annehmen, haben Box und die Spieler die gepasst haben das Recht den ‘Takern’ ein Extra zu geben. D.h. die Box fordert zum Beaver auf, die übrigen Spieler wechseln quasi die Seite und geben den Teamspielern, die den Würfel angenommen haben einen extra Würfel. Wiederum überweisen sie zum Ausgleich den ursprüngliche Wert des Würfels. Außerdem verlieren sie für ihr Pass natürlich ganz normal die entsprechende Punktzahl.
Die Überläufer dürfen die Box vorläufig nicht beraten. Erst wenn sich das Spiel dreht und der Würfel zurückgegeben wird, darf beraten werden.
Die Teamspieler, denen ein Extra angeboten wird, müssen dies nicht akzeptieren. Ihnen entsteht dadurch kein Nachteil. (Ein Extra abzulehnen, empfiehlt sich z.B. wenn man sich nicht sicher ist, ob es denn nun ein Take ist und sich sozusagen per Münzwurf für das Take entschieden hat.)
Der Kapitän des Teams hingegen ist verpflichtet alle Extras anzunehmen. Damit werden die sogenannten „Captain Takes“, die insbesondere bei niedrigen Einsätzen häufig auftreten, wo der Kapitän nimmt, nicht weil er glaubt, dass es ein Take ist, sondern weil er spielen bzw. die Box gewinnen will, entschieden teurer und damit seltener.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Spieler aus dem Team im Spiel bleiben, selbst wenn sie den Doppler abgelehnt haben. Sie wechseln einfach die Seite. Damit verringern sich die Leerlaufzeiten (die wiederum oft auf Captain Takes zurückzuführen sind). Gerade bei niedrigem Spieleinsatz habe ich die Erfahrung gemacht, dass Spieler es sich ‘gönnen’ bei Dopplerentscheidungen gegen die Equity zu setzen. Mit Extras sollte das Spiel ’sauberer’ werden, obwohl natürlich auch mit Extras gezockt werden kann, insbesondere wenn eine Position gammonträchtig ist.
Durch Malcolm Davis habe ich soeben von der „Jim Scott Rule“ gehört: Danach können Extras auch „gebeavert“ werden. Vgl.: http://www.gammonvillage.com/backgammon/news/article_display.cfm?resourceid=5925