Backgammon Brockhaus
Juni 12, 2007 von Thomas Koch
Nein, das Format des Buches “The Backgammon Encyclopedia”* von Kit Woolsey erinnert nicht im Entferntesten an die 12 Bände Brockhaus, die schon so manches Ikea Regal in die Knie gezwungen haben. Als das 124 Seiten starke Heft vor einigen Monaten in meinem Briefkasten lag, war ich etwas enttäuscht. Aber das Wichtigste steht ja bekanntlich im Kleingedruckten und dieses Buch ist 124 Seiten Kleingedrucktes!
In 9 Kapiteln und über 200 Referenzpositionen behandelt Kit Woolsey alle Standardsituationen in denen der Dopplerwürfel eine Rolle spielt (Blitz, Holding Game, Anchor Game, Priming Game, Backgame uvm.). Jedes Positionsdiagramm ist mit den Ergebnissen des Rollouts und Woolsey’s verständlicher Analyse versehen. Aber was bringt diese Informationsflut, wenn nichts davon hängen bleibt? Wenig! Darum müssen wir das Netz enger stricken…
Der Dopplerwürfel ist das Schwert des Gammon-Ritters. Leider ein zweischneidiges! Kaum ein Zug kann soviel Equity verbrennen wie eine falsche Dopplerentscheidung. Um solchen Fehlern vorzubeugen haben die Backgammonweisen die Referenzposition erfunden: Ich merke mir eine Position, die zugehörige Cube Action und vielleicht sogar die Equity. Begegnet mir nun im Spiel eine Position kann ich sie mit der gelernten vergleichen und eine sehr viel präzisere Abschätzung machen.
Nun müssen nur erst die Referenzpositionen verinnerlicht sein. Dazu bieten sich z.B. die guten alten Karteikarten an. Inzwischen gibt es aber auch vorzügliche Software, die schon perfekt auf die
Lerngeschwindigkeit unserer grauen Zellen abgestimmt ist. Dazu gehören das Studycard Studio von Digital Meadow und die freie Software Ebbinghaus von Christian Kienle (Mac). Es ist ein gutes Stück Arbeit alle Positionen per Hand einzugeben und die digitalen Karteikarten zu erstellen, aber dabei bleibt bereits eine Menge hängen. Wer regelmäßig, vielleicht sogar täglich, die Karten durchnimmt, wird sehr bald 95% der Stellungen beherrschen und sich auch im Spiel daran erinnern. Eine Phantastische Basis!
Aber natürlich sollte man auch verstehen, warum eine Position z.B. ein Take ist um dann die aktuelle Position im Spiel mit der Referenzposition vergleichen zu können. An dieser Stelle kommt Kit Woolsey’s Analyse ins Spiel. Diese auf eine Karteikarte zu schreiben, würde wohl wenig Sinn ergeben. Viel effektiver ist es, die in der Analyse vorgestellten Prinzipien herauszuarbeiten. Für jedes Kapitel der Enzyklopädie habe ich eine MindMap angelegt. Beim Erstellen der MindMap durchdringt man den Stoff automatisch besser. Nun kann ich mir fünf Minuten lang die MindMaps anschauen und hinterher ist es, als hätte ich gerade das ganze Buch nocheinmal gelesen.
Es bleibt zu hoffen, dass dem Vol. 1 bald ein Vol. 2 folgt. Bis dahin ist es jedem selbst überlassen seine kleine Datenbank von Referenzpositionen zu erweitern. Referenzpositionen sind die Vokabeln des Backgammon. Und wer möchte nicht seinen Wortschatz vergrößern?
*Woolsey, Kit: The Backgammon Encyclopedia, Volume 1: Cube Reference Positions. The Gammon Press, 2002.
Der Link zu Gammon Press funktioniert zur Zeit nicht.
Wo gibt es das Buch denn derzeit zu erwerben?
Gammon Press ist wieder unter http://thegammonpress.com zu erreichen.